print preview

Mentale Gesundheit im Leistungssport

Die EHSM untersucht in einem breit angelegten Forschungsprojekt, das vom Schweizerischen Nationalfonds SNF unterstützt wird, was die mentale Gesundheit von Schweizer Leistungssportlerinnen und -sportlern beeinflusst und wie sie verbessert werden kann. Das Projekt im Fachgebiet der angewandten Psychologie mit dem Originaltitel «Understanding and promoting mental health of competitive athletes» startet 2022, dauert drei Jahre und wird sechs Studien umfassen. Es trägt dazu bei, an der EHSM Expertise aufzubauen im Bereich der mentalen Gesundheit im Leistungssport.

shutterstock_259872872_bearb2
© Shutterstock, Emerald_Media

Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, mehr über die mentale Gesundheit von Leistungssportlerinnen und -sportlern in der Schweiz zu erfahren. Ein Schwerpunkt des Projekts liegt auf dem Karriereübergang vom Nachwuchs- in den Elitebereich. Dabei wird untersucht, welche Faktoren die mentale Gesundheit in dieser Phase bestimmen.

Hintergrund und Ausgangslage

Mentale Gesundheit bedeutet nicht nur das Fehlen von psychiatrischen Symptomen, sondern auch Wohlbefinden an sich. Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass Leistungssportlerinnen und -sportler mit ähnlichen psychischen Problemen konfrontiert sind wie solche, die keinen Leistungssport treiben – oder sogar noch öfter. Athletinnen und Athleten müssen sich im Leben den gleichen Herausforderungen stellen wie alle anderen Menschen auch. Erstere sind jedoch zusätzlich mit Konflikten zwischen dem Sport und anderen Lebensbereichen sowie mit sportartspezifischen Stressoren konfrontiert (z. B. Verletzungen, Karriereübergänge, sportliche Grossereignisse usw.). Darüber hinaus sind manche Sportlerinnen und Sportler auf ungesunde Weise perfektionistisch veranlagt, was ihr Risiko für eine gestörte mentale Gesundheit erhöht. Das Projekt soll dazu beitragen, vorhandene Forschungslücken in dieser Thematik zu schliessen.

Insgesamt sechs Studien bis 2024

In einer ersten Phase wird Grundlagenwissen erarbeitet: Die erste Studie wird die Prävalenz von vier häufigen Problemen mentaler Gesundheit (Depressionen, Angstzustände, Essstörungen und Schlafprobleme) und das Wohlbefinden in einer repräsentativen Stichprobe von Schweizer Spitzensportlerinnen und -sportlern untersuchen. Die zweite geht der Frage nach, welche Massnahmen die Sportverbände zur Förderung von mentaler Gesundheit ergreifen und welche Einstellung sie zu solchen Massnahmen haben.

Auf der Basis dieser Kenntnisse beschäftigen sich zwei Studien mit dem Karriereübergang vom Nachwuchs- in den Elitebereich: Eine Studie wird untersuchen, welche Faktoren das Ausmass der mentalen Gesundheit in dieser Phase beeinflussen Eine weitere Studie entwickelt und evaluiert die Wirksamkeit einer Online-Intervention zur Verbesserung der mentalen Gesundheit während dieses Übergangs.

Die zwei abschliessenden Studien konzentrieren sich auf schwierige Phasen oder Vorfälle im Leben einer Sportlerin/eines Sportlers, welche die mentale Gesundheit beeinflussen können: Eine Studie untersucht, was die mentale Gesundheit im Rehabilitationsprozess von Verletzungen bestimmt. Eine Studie widmet sich der Frage, ob eine Online-Interventionen die mentale Gesundheit von Leistungssportlerinnen und -sportlern vor Grossanlässen verbessert.

Von der Praxis zur Forschung und wieder zurück

Das Fördergefäss «From Practice to Science» des SNF wendet sich an Praktikerinnen und Praktiker an Fachhochschulen und unterstützt sie darin, sich der Forschung zu widmen. Dr. Philipp Röthlin, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sportpsychologie an der EHSM, leitet das Projekt.

Die Ergebnisse der sechs Studien sollen wieder in das Sportsystem zurückfliessen: Es ist geplant, Empfehlungen für Verbände zu entwickeln, wie diese die mentale Gesundheit ihrer Athletinnen und Athleten am besten fördern können. Trainer oder Sportpsychologinnen sollen Hilfsmittel erhalten, wie sie ihre Schützlinge, insbesondere in vulnerablen Phasen, unterstützen können. Darüber hinaus erhalten die Athletinnen und Athleten Zugang zu validierten Online-Interventionen. Die Erkenntnisse werden auch über die Ausbildungsgänge der EHSM und die Trainerbildung Schweiz in das Sportsystem einfliessen. Schliesslich soll auch der Freizeitsport über die Kurse von Jugend+Sport davon profitieren.