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MitteilungVeröffentlicht am 15. April 2026

Leistungstests im Fussball: fair, individuell, entwicklungsorientiert

Julia Hernandez ist Doktorandin in der Fachgruppe Trainingswissenschaft an der EHSM – und leidenschaftliche Fussballerin. Sie untersucht, wie Leistungstests im Nachwuchsfussball fairer, individueller und entwicklungsorientierter gestaltet werden können.

Kinder und Jugendliche entwickeln sich körperlich unterschiedlich schnell. Während einige früh reifen, sind andere in ihrer körperlichen Entwicklung deutlich später, obwohl sie gleich alt sind. Das führt dazu, dass ihre Resultate in sportlichen Leistungstests nicht unmittelbar vergleichbar sind.

Das biologische Alter bei der Leistungsbewertung mitdenken

Im Fokus des Interesses von Julia Hernandez steht die Nachwuchsförderung. Um diese in Zukunft fairer gestalten zu können, soll bei Leistungstests nicht mehr nur das chronologische, sondern auch das biologische Alter berücksichtigt werden. Die Idee zum Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Fussballverband SFV.

In ihrem Forschungsprojekt analysiert sie die 10-Meter-Sprintleistung im Nachwuchs-Elite-Fussball – und stellt dabei eine entscheidende Frage: Inwiefern verzerrt das chronologische Alter die Leistungsbewertung im Nachwuchsfussball? Denn während das chronologische Alter lediglich den Geburtstag berücksichtigt, zeigt das biologische Alter, wo ein Kind oder eine Jugendliche tatsächlich in der Entwicklung steht. Gerade im Alter zwischen 10 und 13 Jahren, wenn die meisten Kinder in der Pubertät einen Wachstumsschub erleben, können Gleichaltrige biologisch mehrere Jahre auseinanderliegen – mit erheblichen Konsequenzen für die Talentidentifikation und -selektion.

Für ihre Forschung stellte der Fussballverband Julia Hernandez eine grosse Menge an Daten zur Verfügung. Mit diesen konnte die Wissenschaftlerin analysieren, wo sich die jungen Spielerinnen und Spieler zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrer Entwicklung befanden: Wie verändert sich die Bewertung der 10-Meter-Sprintleistung, wenn nicht das chronologische, sondern das biologische Alter berücksichtigt wird? Ausserdem untersuchte sie, wie sich die Bewertung der Leistungsentwicklung über die Jahre verändert, wenn die individuellen Entwicklungsverläufe der jungen Spielerinnen und Spieler berücksichtigt werden.

Nachwuchsförderung effektiver gestalten

Die Ergebnisse zeigten klar, dass die Berücksichtigung des biologischen Alters die Leistungsbewertung im Nachwuchsfussball deutlich verändert. Spät entwickelte Spielerinnen und Spieler verbesserten ihre Leistungsrangierung deutlich, wenn ihre Sprintleistung relativ zu ihrem biologischen Alter bewertet wurde. Früh entwickelte Kinder und Jugendliche wurden hingegen realistischer eingeordnet und verloren teilweise hohe Platzierungen, die zuvor vor allem durch ihren Entwicklungsvorsprung erklärbar waren.

Ausserdem konnte Julia Hernandez mit ihrer Forschung zeigen, wie unterschiedlich sich die Leistung der jungen Talente über die Jahre entwickelt. Einige zeigen schnelle Fortschritte, andere langsamere, unabhängig von ihrer Ausgangsleistung. Besonders relevant: Spielerinnen und Spieler mit anfänglich schwächeren Sprintleistungen wiesen oft grössere Leistungszuwächse auf als bereits sehr schnelle Jugendliche.

Für die Nachwuchsförderung im Schweizer Fussball haben die Ergebnisse eine entscheidende Bedeutung: Durch das Einbeziehen des biologischen Alters können junge Spielerinnen und Spieler gerechter beurteilt werden. Indem ihre individuelle Entwicklung berücksichtigt wird, können auch spät entwickelte Talente im Fördersystem verbleiben. Der Verband erhält damit eine differenziertere Entscheidungsgrundlage, wenn es um die gezielte Förderung von jungen Fussballerinnen und Fussballern geht.

Zur Person

Julia Hernandez hat ihr Masterstudium in Sport Science Research an der Universität Bern absolviert. Nach verschiedenen Praktika und Tätigkeiten als wissenschaftliche Mitarbeiterin doktoriert sie an der EHSM in Magglingen und an der Universität Fribourg.

Portrait Julia Hernandez, Projekt- und Publikationsdatenbank EHSM

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