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Höhentraining – eine spezielle Dienstleistung der EHSM

Magglingen verfügt über verschiedene Möglichkeiten für Höhentraining. Welche Höheninterventionen und -packages stehen den Verbänden zur Verfügung?

10.06.2021 | EHSM, Christa Grötzinger

Höhenzelt EHSM Magglingen

Foto: zVg

 

Katja Kellenberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin Sportphysiologie Ausdauer, Verantwortliche für das Höhentraining an der EHSM, gibt Auskunft.

Wie genau funktioniert Höhentraining? Weshalb ist es für Ausdauerathletinnen und -athleten interessant?

Katja Kellenberger: Luft in höheren Lagen weist weniger Sauerstoff auf als solche in tieferen Lagen. Der menschliche Körper passt sich an das kleinere Sauerstoffangebot in der Höhe an und produziert mehr rote Blutzellen. Dies erhöht die Sauerstofftransportkapazität und somit auch die Leistung bei Ausdauerwettkämpfen im Flachland. Von diesem Effekt wollen Ausdauerathletinnen und -athleten profitieren.

Wie funktioniert die Trainingsmethode?

KK: Die Methode heisst «live high – train low» (LHTL). Das bedeutet, dass die Athletinnen und Athleten während drei bis vier Wochen während mindestens 12 Stunden am Tag auf ca. 2500 m ü. M. wohnen und auf ca. 1000 m (oder so tief wie möglich) trainieren. Das ist die häufigste Höhentrainingsform. LHTL kann sowohl in Echthöhe als auch unter künstlichen Bedingungen (Höhenzimmer, Höhenzelt) durchgeführt werden. Beides hat den gleichen Effekt.

Welche Infrastruktur stellt Magglingen für Höhentraining zur Verfügung?

KK: Es gibt verschiedene Möglichkeiten für ein Höhentraining. Diese werden jeweils den Bedürfnissen der Athletinnen und Athleten angepasst. Höhentraining kann in Magglingen, Andermatt, zuhause (Zimmer, Höhenzelt), mobil (an Wettkämpfen) oder in natürlicher Höhe durchgeführt werden. Im Swiss Olympic House in Magglingen (im Dachstock des Seehauses) steht ein Höhengenerator, welcher der Zimmerluft Sauerstoff entzieht. So können bis zu sechs Zimmer in Höhe versetzt werden. Zudem stehen 15 Zelte und 20 Generatoren zur Verfügung.

Wir von Magglingen begleiten und beraten. Für das eigentliche Training in der Höhe ist der Trainer zuständig. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Ärztin, Trainer und Athletin ist zentral.

Wird die Effektivität des Höhentrainings überprüft?

KK: Die Wirkung von Höhentraining ist individuell. Die gleiche Trainingsform führt nicht bei allen Athletinnen und Athleten zur gleichen Anpassung. Auch die Akklimatisationsphase ist unterschiedlich. In Magglingen wird vor und nach dem Höhentraining die Hämoglobinmasse (Gesamtmasse des Sauerstoff transportierenden Teils im Blut) gemessen. Dies gibt Aufschluss über die Effektivität des Höhenaufenthalts (bzgl. Blutanpassung) und kann dabei helfen, zukünftige Höhentrainings individuell anzupassen.

Welche Verbände nutzen aktuell die Möglichkeit des Höhentrainings in Magglingen?

KK: Es sind dies u.a. Swiss Ski (Langlauf, Biathlon), Swiss Cycling und Swiss Athletics.

Hat sich die Corona-Situation auf die Nachfrage der Verbände nach Höhentraining ausgewirkt?

KK: Corona hat eher eine grössere Nachfrage generiert, da Auslandaufenthalte wegfielen. Die Absage von Wettkämpfen hat dazu geführt, dass die Athletinnen und Athleten mehr Zeit hatten, Höhentraining auszuprobieren. Es bleibt aber festzuhalten: Höhentraining ist nur für erfahrene Athletinnen und Athleten geeignet. Vorher gilt es, die Ausdauerleistungsfähigkeit anhand einer optimalen Trainingssteuerung zu verbessern. Höhentraining kommt erst ganz am Schluss.

Katja, herzlichen Dank für das Gespräch!