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«Zurück in China»: Walter Mengisen berichtet aus Peking

Nach einem halbjährigen Aufenthalt vor 5 Jahren und einigen zwischenzeitlichen Kurzaufenthalten besuchte ich Anfang Juli mit 12 Studierenden und 3 Dozentinnen der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen EHSM die Beijing Sport University (BSU). Das Ziel dieses Studienaufenthalts war sowohl ein interkultureller Austausch als auch eine fachliche Horizonterweiterung für unsere Studierenden.

14.08.2017 | Walter Mengisen

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Die Zusammenarbeit mit der Beijing Sport University begann im Jahre 2004 und hat sich zuletzt weiter vertieft. Die BSU lässt sich in ihrer Stellung sehr gut mit «Magglingen» vergleichen, da sie die einzige durch den Zentralstaat direkt unterstützte Universität im Sportbereich ist und auch ein nationales Trainingszentrum betreibt. Die Dimensionen sind aber doch etwas anders. Es studieren rund 15‘000 junge Chinesinnen und Chinesen, die speziell ausgewählt wurden. 

Wirtschaftliche Entwicklung
Die Entwicklung zu sehen, nicht nur an der Universität, sondern auch in dieser 20 Millionen Einwohner zählenden Metropole, ist eindrücklich und stimmt einen auch nachdenklich. Mögen wir im Westen mit gewisser Besorgnis die chinesische wirtschaftliche Expansion nach Europa betrachten, so ist hier auch der gegenteilige Effekt zu beobachten. Das ursprünglich Chinesische geht im Stadtbild verloren, auch die Einkaufsläden gleichen sich im Erscheinungsbild immer mehr dem Weltmarkt an. Die Globalisierung zeigt hier beispielhaft ihr Einheitsgesicht. Selbst die Reklametafeln werden von westlichen Gesichtern geprägt. Es ist ein richtiges Paradoxon, dass sich im Zeitalter des extremen Individualismus die Kulturen immer mehr angleichen. 

Chinesische Eigenheiten
Mindestens erlebten unsere Studierenden auch typisch chinesische Dinge wie den Unterricht in Taiji und Wushu (chinesische Kampfkunst), die sehr traditionell gelehrt werden. Sie wurden aber auch in die Technik der Akupunktur eingeführt. Beim Lernen der chinesischen Sprache kamen die Studierenden sehr schnell an ihre Grenzen. Nicht zu vergessen das vorzügliche chinesische Essen, das immer sehr üppig dargeboten wurde, und eine sehr grosse Gastfreundschaft.

Winterolympiade 2022 in Beijing
Eines der dominierenden Themen in der Sportszene in China sind die Olympischen Winterspiele in Beijing im Jahre 2022. Was für uns im wahrsten Sinne des Wortes ein bisschen exotisch anmuten mag, ist für die Chinesen absolut klar. Wenn Olympische Spiele, dann ist Beijing die Host City. Es gäbe zwar die im Norden gelegene Stadt Harbin (bekannt durch ihr Eisfestival), die auch schon die Winteruniversiade durchgeführt hat. Aber Olympische Spiele gehören eben nach chinesischem Politverständnis in die Hauptstadt. In Beijing selbst werden die Eissportarten durchgeführt und circa anderthalb Stunden Autofahrt ausserhalb des Stadtzentrums sind die alpinen und nordischen Wettbewerbe vorgesehen. Dies entspricht ungefähr den Distanzen, wie sie auch bei den Host Cities wie Turin, Vancouver oder Sotchi zurückzulegen waren. Dass hier noch nicht viel an Infrastruktur für den Wintersport besteht, soll nicht weiter beunruhigen, denn das kriegt das chinesische Organisationskomitee auf jeden Fall hin. Die Bewilligungsverfahren sind doch, sagen wir es politisch korrekt, leicht verschieden zur Schweiz.

Was im Moment sehr gefragt ist, sind Expertinnen und Experten in Wintersportdisziplinen. Da sind wir als Schweizer sehr beliebt. Wintersport hat in China nur in wenigen Gegenden Tradition. Deshalb kauft man sich das Wissen und die Expertise im Ausland ein. Dies ist auch für unsere Absolventinnen und Absolventen von Interesse, da sich hier potenzielle Berufsfelder anbieten. Auf dem Campus der Universität wird eine neue Eishalle gebaut, die als Ausbildungs- und Trainingszentrum dienen soll. In China gibt es aktuell nur 14 professionelle Eishockey-Teams, von deren drei in der russischen KHL spielen. Es werden riesige Anstrengungen im Nachwuchsbereich unternommen, um das Eishockey zu erweitern und zu verbessern. Da ein Grossteil der Chinesen spielverrückt ist, aktuell vor allem im Fussball, könnten wir vielleicht noch erstaunt sein über die zukünftige Entwicklung des chinesischen Eishockeys. Im Zuge der Olympischen Winterspiele will die zentrale chinesische Sportbehörde 300 Millionen Chinesen (ich habe mich nicht verschrieben), dies entspricht rund 25% der Bevölkerung, zum Wintersport bringen. Das eröffnet einen Wintersportmarkt, wie er wohl sonst kaum mehr auf der Welt besteht.

Gegenbesuch im August
Eine chinesische Delegation der BSU mit 16 Studierenden besucht uns Anfang August für zwei Wochen. Eines freut vor allem die Studentinnen schon jetzt, nämlich dass sie zu zweit in einem Zimmer im «Bellavista» untergebracht sind. An der BSU teilen sie sich auf Bachelor-Stufe ein Zimmer zu sechst.

Bilder: zur Verfügung gestellt