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«Glücklich, bei diesem Austausch dabei gewesen zu sein»

Zwölf EHSM-Studierende verbrachten diesen Sommer zwei Wochen an der Beijing Sport University (BSU) in Peking, darunter auch Pino Schneider. Der 27-Jährige erzählt im Interview von seinen Erlebnissen in der 21,5-Millionen-Metropole.

28.09.2017 | Patrick Lienhart

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Für Pino Schneider (rechts) und seine Kommilitonen wurde auch abseits der Hörsäle ein spannendes Programm zusammengestellt.


Welches Fazit ziehst du nach den zwei Wochen in Peking?
Pino Schneider: Für uns alle war es «mega» eindrücklich. Die Chance, Peking so zu erleben, war einmalig. Wir konnten den Alltag der Studierenden der Beijing Sport University hautnah mitverfolgen und selber mitmachen. Ein gewöhnlicher China-Reisender hätte diese Möglichkeit kaum in dieser Form haben können.

Welches war dein Highlight in den 14 Tagen?
Davon gibt es einige. Eines davon waren die Treffen zwischen Herrn Mengisen und dem Direktor der BSU, die wir begleiten durften. Ein weiteres das Zusammensein mit den chinesischen Studierenden und dass wir sie in ihren Unterricht begleiten konnten, um einen Einblick in ihren Studienalltag zu erhalten. Es war interessant zu sehen, welche Disziplin bei ihnen herrscht. Eindrücklich ist auch der Vergleich der EHSM mit der BSU. Beides sind Sporthochschulen, trotzdem sind sie in manchen Bereichen ziemlich verschieden. Das sportliche Niveau ist nicht bei allen chinesischen Studierenden auf dem gleichen Niveau wie bei uns. Zudem ist bei ihnen alles durchgeplant; auf unvorhergesehene Ereignisse können sie weniger flexibel reagieren als wir. Als weiteres Highlight kann ich die Besichtigung des «Miniatur-Modells» von Peking nennen. Es war so lang und breit wie eine Schweizer Turnhalle. Es wird übrigens immer aktuell gehalten – wenn in der Stadt gebaut wird, wird auch das Modell umgehend aktualisiert.

Gab es auch Dinge, die dir nicht gefallen haben?
Nein. Ich bin sehr glücklich, dass ich bei diesem Austausch dabei sein durfte. Das Programm war super, und wenn ich jetzt etwas bemängeln würde, wäre das «Jammern auf hohem Niveau».

Wie habt ihr euch mit den chinesischen Studentinnen und Studenten ausgetauscht? Was habt ihr zusammen unternommen?
Zwei Studentinnen haben uns praktisch rund um die Uhr begleitet und sich um uns gekümmert. Mit ihnen hat die Kommunikation gut funktioniert, sie sprachen Englisch. Beim Besuch des Unterrichts war die Verständigung auf Englisch nicht immer möglich, wir schlugen uns mit Händen und Füssen durch. Aber auch das klappte. Die Studierenden haben viel für uns organisiert, zum Beispiel einmal ein Volleyball-Turnier an einem Abend. Manchmal gingen wir auch ausserhalb der Uni zusammen etwas trinken. Es war immer etwas los und hat Spass gemacht.
 
Wie hast du die Bevölkerung in Peking wahrgenommen?
«Nein sagen» gilt als Zeichen von Schwäche. Sie wollten uns immer alles ermöglichen und haben hierfür einen grossen Aufwand betrieben. Darum haben wir uns mit der Zeit mit «Extrawünschen» etwas zurückgehalten (lacht).
 
Wie unterscheidet sich der Studienalltag in Peking zu demjenigen in Magglingen?
In Magglingen ist die Stimmung ziemlich familiär, in der grossen Stadt Peking ist dies ganz anders. Als einer der 15‘000 Studierenden an der BSU ist man mehr eine Zahl als eine Persönlichkeit. Wenn man seine Leistung nicht bringt oder sich verletzt, wird man ersetzt. Ich glaube, dass sie auch darum dermassen diszipliniert sind. Die meisten von ihnen beherrschen nur eine Sportart gut und werden dann in dieser intensiv trainiert. Sie sind nicht so polysportiv wie wir. 

Was hat dir in Peking am meisten gefehlt?
Mit der Zeit habe ich das Essen etwas vermisst. Und ruhige Plätze. Es gab zwar einige Parks, in denen man relaxen konnte, aber die Distanzen waren natürlich viel grösser als in der Schweiz. Da ist man nicht in 10 Minuten irgendwo im Grünen. In Peking gibt es viel Beton. Und viel Smog – auch wenn die Chinesen uns manchmal weismachen wollten, dass es Nebel sei. 
 
Was konntest du von den 14 Tagen in Peking mitnehmen?
In Peking gibt es 15‘000 Studierende, die in Sechserschlägen wohnen und in Hochbetten schlafen. Sie haben einen strikten Stundenplan, müssen täglich zusätzlich viele weitere Stunden lernen und stehen unter konstant hohem Druck. Niemand reklamiert. Das können wir uns zum Vorbild nehmen. Wir können sehr glücklich mit unserer Situation in Magglingen sein und haben keinen Grund, uns über den Studienalltag zu beschweren.
 
Gibt es eine spezielle Anekdote, die du berichten kannst?
Der Ausgang am Abend war immer kostenlos für uns. Als wir dann einmal nachfragten, warum dies so sei, wurde uns gesagt, dass wir quasi als Attraktion und Zugpferde galten. Wenn wir ein Lokal betraten, kamen wegen uns auch Einheimische, die Bilder mit uns machen wollten. Dort ist man dann wirklich ein «Ausländer».