Grosse Sprünge in Livigno – auch dank Manuela Müller
Manuela Müller arbeitet an der EHSM in Magglingen bei der Trainerbildung Schweiz und war lange Zeit Spitzenathletin in der Ski-Freestyle-Disziplin Aerials. Sie nahm zweimal an Olympischen Spielen teil – in Salt Lake City 2002 und in Turin 2006. Dieses Jahr kehrt sie an die Spiele zurück. Allerdings nicht als Athletin, sondern als Schanzenbauerin.
Morgens früh raus und bis spät Abends viel messen, bauen, schaufeln und noch mehr organisieren und koordinieren. So sieht der Alltag von Manuela Müller momentan aus. Wenn sie nicht gerade für die Aerials-Athletinnen und -Athleten im Einsatz ist, dann arbeitet Manuela an der EHSM in Magglingen. Bei der Trainerbildung Schweiz ist sie für den Fachbereich Sportpsychologie und die Coach-Developer-Ausbildung verantwortlich.
Dank ihrer Vergangenheit als Athletin und später als Trainerin kam sie vor einigen Jahren eher zufällig zur Aufgabe als «Chief of Course» bei Aerials-Grossanlässen. 2023 baute sie die Schanze für die Weltmeisterschaften in Georgien und im Jahr 2025 auch jene für die WM in St. Moritz. Nun ist sie sogar bei den Olympischen Spielen in Livigno im Einsatz und betreut vor Ort den Bau der Schanze und den Betrieb der Anlage – eine einmalige Aufgabe mit zahlreichen Herausforderungen. Ihr grosser Erfahrungsschatz hilft ihr dabei: Sie kennt sowohl die Perspektive der Athletinnen und Athleten als auch jene der Trainerinnen und Trainer und bringt viel aus ihrem Arbeitsalltag als Ausbildnerin mit.
Millimeterarbeit im Schnee
Der Bau einer Aerials-Schanze ist alles andere als einfach. Jedes Detail muss stimmen: Höhe und Krümmung der Schanze, die Beschaffenheit des Schnees, der Abstand zum Anlauf, die Neigung des Anlaufs. Bei Olympischen Spielen kommt zudem umfangreiche technische Infrastruktur hinzu. TV- und Fotokameras müssen optimal positioniert sein, damit die Zuschauerinnen und Zuschauer zu Hause möglichst nah am Geschehen sind.
Tagelang arbeitet Manuela mit ihrem Team von früh bis spät – teilweise bis tief in die Nacht, bei Wind und Wetter. Sie hält die Fäden in der Hand, kontrolliert jedes Detail, motiviert das Team und vermittelt zwischen unterschiedlichen Interessengruppen. «Das Abstimmen von verschiedenen Player, die an einem Grossanlass wie diesem vor Ort sind, ist fast die grössere Aufgabe als der Schanzenbau selbst», sagt sie. Gerade an den Olympischen Spielen arbeitet sie auch mit Helferinnen und Helfern zusammen, die mit der Sportart nicht vertraut sind. Das erfordert viel kommunikatives Geschick.
Der Shaping Day als erster Härtetest
Sobald die Schanze steht, folgt mit dem Shaping Day die erste Bewährungsprobe. An diesem Tag besichtigen Trainerinnen, Trainer sowie Athletinnen und Athleten die Anlage und können allfällige Anpassungen anbringen. «Mein persönliches Ziel ist es, dass die Anlage bis dahin soweit perfekt ist, dass keiner mehr eine Schaufel in die Hand nehmen muss, sondern alle mit dem Resultat zufrieden sind», erklärte Manuela im Vorfeld.
Mittendrin statt nur dabei
Am Mittwoch fanden die ersten Aerials-Qualifikationen statt – und auch hier ist Manuela im Dauereinsatz. Während allen Trainings und Wettkämpfen trägt Manuela die Verantwortung für den Zustand der Anlage und packt mit an. Jedes Loch im Landehang wird ausgebessert, damit die Athletinnen und Athleten optimale Bedingungen vorfinden. Gleichzeitig darf sie hautnah miterleben, wie sich die weltbesten Athletinnen und Athleten auf der Schanze messen. Ganz besonders schlägt ihr Herz für die Schweizer Athleten: Lina Kozomara, Noé Roth und Pirmin Werner. «Ich kenne sie alle schon sehr lange und habe sie in ihrer Zeit als Nachwuchsathleten auch trainiert», erzählt Manuela. Wer weiss, vielleicht springen ihre ehemaligen Schützlinge auf «ihrer» Schanze sogar zu einer Olympiamedaille.















