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MitteilungVeröffentlicht am 25. Mai 2026

Belastung der Fussballerinnen: Wie viel ist genug?

Mit dem Projekt «How much is enough?» will Hélène Maystre, Forscherin an der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen EHSM, erstmals systematisch verstehen, wie sich körperliche, mentale und soziale Belastungen gegenseitig beeinflussen und was das für die Verletzungen und die Leistung der jungen Talente bedeutet.

Trainieren, studieren, arbeiten, sozialen Verpflichtungen nachkommen − und trotz allem gute Leistungen erbringen. Die jungen Schweizer Elite-Fussballerinnen stehen Woche für Woche unter einer hohen biopsychosozialen Belastung.

Um diese Herausforderungen und Hélène Maystres Feldarbeit besser zu verstehen, haben wir die Forscherin getroffen und ihr einige Fragen zu ihrer Arbeit gestellt:

Hélène, woher kommt deine Begeisterung für Fussball?

Am Fussball fasziniert mich vor allem, dass er ein Teamsport ist. Mit 11 Spielerinnen auf dem Feld, weiteren Spielerinnen auf der Bank und den Trainerinnen und Trainern sind extrem viele Personen involviert, was den Zusammenhalt stärkt. Zudem mag ich, dass man draussen ist und die Sportart rund um die Welt ausgeübt wird. Von den Emotionen, die beim gemeinsamen Fussballspielen aufkommen, bin ich auch fasziniert.

Was ist dein aktuelles Forschungsprojekt?

Im aktuellen Projekt «How much is enough?» wollen wir die biopsychosoziale Belastung verstehen, unter der die jungen Elite-Fussballerinnen (im Alter von 16 bis 20 Jahren) während der Saison stehen.

Konkret wollen wir herausfinden, wie hoch die körperliche Belastung (von Trainings und Spielen jede Woche), aber auch die mentale Last (psychische Gesundheit) und der soziale Druck (life stress) der Spielerinnen ist. Machen sie eine Aus- oder Weiterbildung? Arbeiten sie gleichzeitig, manchmal sogar abends, um ihr Studium oder einfach ihren Lebensunterhalt zu finanzieren? Ziel ist es, alle Belastungen zu erfassen, denen diese Elite-Fussballerinnen ausgesetzt sind, sowie das Umfeld, in dem sie sich in ihrem Club und ausserhalb ihrer Sportkarriere entwickeln.

Danach wollen wir den Einfluss dieser Belastung auf die Leistung und das Auftreten von Verletzungen oder körperlichen bzw. mentalen Gesundheitsproblemen untersuchen.

Wie ist es zu diesem Projekt gekommen?

Die Idee entstand aus einem ersten Projekt mit jungen Fussballerinnen (Best Player on the Pitch, mit Spielerinnen zwischen 12 und 15 Jahren). Momentan ist die Verletzungsrate bei Fussballerinnen sehr hoch. Tritt eine Verletzung vor dem zwanzigsten Altersjahr auf, kann sie einen grossen Einfluss auf die Karriere dieser Spielerinnen haben. Zudem möchten wir die Leistung der Spielerinnen verbessern. Beide Aspekte sind miteinander verknüpft: je weniger eine Spielerin verletzt ist, desto bessere Leistungen kann sie erbringen. So entstand die Idee, herauszufinden, wie eine Spielerin während der ganzen Saison gesund bleibt, damit sie ihre Leistung erbringen und Fortschritte machen kann.

Welche Ergebnisse sind zu erwarten?

Das Wichtige und auch wirklich Neue an dieser Studie ist der Zusammenhang zwischen der mentalen und der körperlichen Belastung und die Frage, welchen Einfluss sie auf die Leistung und die Verletzungen haben. Es ist das erste Mal, dass eine Verbindung zwischen dem mentalen und dem körperlichen Aspekt bei Elite-Sportlerinnen gemacht wird.

Wir haben die Ergebnisse noch nicht ausgewertet, tun es aber bald, und das wird wirklich sehr interessant.

Ausserdem werden wir vermutlich feststellen, dass sich jede Spielerin in einem sehr schwierigen Kontext entwickelt: eine extrem volle Woche, aber auch ein dichtes Umfeld, das an die spezifischen Bedürfnisse einer Elite-Spielerin häufig schlecht angepasst ist. Ich denke, wir werden überrascht sein, unter welch hohen Belastungen – sowohl körperlich, mental als auch sozial – die Spielerinnen stehen, und dass sie Woche für Woche fast dafür kämpfen müssen, im Training und dann im Spiel gute Leistungen zu erbringen.

Welchen Einfluss erhoffst du dir auf den Frauenfussball?

Ich bin überzeugt, dass dieses Projekt langfristig zur Entwicklung des Frauenfussballs in der Schweiz und insbesondere zur Professionalisierung einen wichtigen Beitrag leisten wird. Die körperliche und mentale Belastung der Spielerinnen während einer Saison zu verfolgen und korrekt aufzuzeichnen, ist bereits ein grosser Fortschritt. Und danach alles zu dokumentieren, um konkret etwas zu ändern, ist ein grosser Schritt in Richtung Professionalisierung des Frauenfussballs in der Schweiz und in Europa. Darauf hoffen wir und tun alles dafür.

Zur Person

Hélène Maystre schloss 2018 ihr Studium der Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Training und Leistung an der Universität Lausanne ab. Für ihren Masterabschluss absolvierte sie 2017 zwei Praktika, und zwar bei der Canadian Soccer Association mit der Frauen-Senior-A-Nationalmannschaft und beim Bundesamt für Sport BASPO. Seit 2021 ist sie beim BASPO fest angestellt.

Porträt Hélène Maystre, Publikations- und Projektdatenbank EHSM

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