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Professionalisierung und Schritt in die Digitalwelt

Interview mit Mark Wolf, Leiter der Trainerbildung Schweiz seit 2014

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Mark Wolf anlässlich der Magglinger Trainertagung

«Nichts ist mehr wie früher», so das Zitat eines Kursteilnehmenden 2017. Vieles findet in einer virtuellen Welt statt, alles ist schnelllebig, immer höher, weiter, schneller. Keine Pausen mehr zum Nachdenken, immer mehr Wettkämpfe, immer mehr Ressourcen, wenig Erholung. Geht der Krug bis zum Brunnen bis er bricht? Die Trainerbildung Schweiz will und muss sich zusammen mit Swiss Olympic den neuen Herausforderungen des Digitalzeitalters stellen.

Mark Wolf kurz vorgestellt: Geboren: 03.02.1974, Familie: Ehefrau Edith und Tochter Elin (10-jährig)

Ich liebe:
Mit meiner Familie und Freunden zusammen zu sein. Sport, lesen und als Ausbildner tätig zu sein.

Ich hasse:
Hassen ist vielleicht übertrieben, doch ich tue mich schwer mit Nörglern und negativen Menschen.

Mein Lebensmotto:
Ich möchte mein Leben nicht einem Motto unterwerfen; ich gehe es mit offenen Augen, Ohren, Armen und Herzen an.

Mein Lieblingsort:
Dort, wo meine Familie ist. Und wenn das auch noch in den Bergen ist, bin ich definitiv zu Hause.

Meine Freizeit:
Ich liebe es, in der Natur zu bräteln & zu picknicken.

Mein bestes Erlebnis:
Ich durfte schon so viele schöne Momente erleben, dass es nicht fair wäre, eine Rangliste daraus zu machen.

Mein bestes Zitat:
«Ihr habt den schönsten Job der Welt! Ihr habt das Privileg, die Kinderträume eurer Athletinnen und Athleten zu erfüllen. Geht raus und macht es!» von Jean-Pierre Egger. Er spricht mir aus dem Herzen!

Dies möchte ich erleben:
Ich würde gerne einmal Neni (Grossvater) werden.

Stichworte zu den 4 Jahreszeiten:
Skifahren, Golf, SUP, Wandern - jede Jahreszeit bietet die Spielwiese für eine andere Sportart.

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Familie Wolf mit Edith (rechts) und Elin

Deine sportliche Vergangenheit als Athlet: Nach verschiedenen Sporterfahrungen (u.a. Skifahren, Kunstturnen) habe ich den Weg zum Unihockey gefunden. Dabei durfte ich eine lange, relativ verletzungsfreie Karriere als Unihockeytorhüter mit vielen Höhepunkten (u.a. 4 Jahre als Profi in Schweden) erleben.

Dein Ausbildungsweg zum Trainer/Coach: Die Aufgaben des Trainers haben mich von Anfang an fasziniert. Als ich noch selber in der Jugi war, habe ich mich ab 12 Jahren als Hilfs-Leiter engagiert. Ich konnte kaum warten, bis ich die ersten Ausbildungen machen durfte und habe auch J+S im Schnellzugstempo durchlaufen. Mit 20 Jahren hatte ich schon den TLG (heute Berufstrainerausbildung) absolviert. Das BSc- und MSc-Studium waren fast schon eine «logische» Fortsetzung.

Deine sportliche Vergangenheit als Trainer / Coach: Nach verschiedenen Aufgaben als Jugi-Leiter war ich auch im Turnen und Skifahren (u.a. 10 Jahre als Skilehrer) als Leiter tätig. Im Unihockey arbeitete ich in Schweden an einem Unihockeygymnasium und habe unter anderem eine Elite-Juniorenmannschaft betreut. Später habe ich während mehreren Jahren meine Ehefrau Edith im Rollstuhlsport trainiert und betreut.

Deine aktuelle Berufstätigkeit: Leiter der Trainerbildung Schweiz

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Mark Wolf im Unterricht

Du bist Leiter der Trainerbildung seit 2014. Was macht die Faszination der Trainerausbildung Magglingen aus? Die Trainerbildung Schweiz vereint für mich zwei wichtige Aspekte:
Zum einen liebe ich es, auszubilden, Wissen und Kompetenzen zu vermitteln. Herauszufinden, wie andere Menschen lernen und wie sie ihr Potential ausschöpfen können.
Zum andern ist Magglingen für mich auch heute, nach 20 Jahren immer noch ein faszinierender Ort. Ich spüre hier oben die Seele und den Geist des Sports!

Was hast du bei deinem Stellenantritt 2014 vorgefunden? Eine innovative und kreative, vielleicht auch etwas heterogene Gruppe von Ausbildnern. Aber eine mit viel Potential, um die Ausbildung für Trainerinnen und Trainer im Leistungssport weiterzuentwickeln.

Welches waren für dich die grössten Herausforderungen bei der TBS 2014/2015? Wir hatten sehr viele gute Produkte in der TBS. Die Abstimmung der einzelnen Ausbildungsgefässe war aber nicht optimal und mit einigen Angeboten haben wir uns etwas verzettelt. Wir brauchten eine klare Ausrichtung mit einer starken Fokussierung auf die Bedürfnisse unserer Trainerinnen und Trainer. Und wir brauchten innerhalb des Team einige gemeinsame Projekte, welche unser Stärken und Potentiale aufdeckten. Dabei ist unter anderem die Magglinger Trainertagung entstanden. Noch heute ein Flagg-Schiff, bei dem es jedes einzelne TBS-Teammitglied braucht.

Vor gut vier Jahren wurde die Neustruktur und das neue Konzept der Trainerausbildung lanciert. Wie sieht dein Fazit im August 2020 aus? Aus meiner Sicht haben wir einen guten Weg eingeschlagen. Wir haben mit der modularen Ausbildung ein Konzept geschaffen, um Ausbildungsgefässe stetig weiterzuentwickeln, ohne die Struktur laufend verändern zu müssen.
Ich glaube aber, dass wir in der methodisch-didaktischen Umsetzung (u.a. auch mit der digitalen Transformation) noch viel Potential haben.

Wo steht die Trainerbildung in Bezug auf die neuen Anforderungen der Ausbildung (auch ausgelöst durch die Corona-Pandemie) heute? Die Bildung ist aktuell in einem sehr grossen Umbruch. Wir wissen heute (u.a. auch dank der Hirnforschung) sehr viel darüber, wie Menschen lernen, wie sie sich Wissen und Kompetenzen aneignen. Zusammen mit neuen technologischen Hilfsmitteln bin ich überzeugt, dass sich in den nächsten Jahren noch einiges verändern wird. Im Zentrum, davon bin ich überzeugt, wird aber immer der kompetente und engagierte Ausbildner mit innovativen Umsetzungsideen bleiben.

Welche Meilensteine konntest du in den letzten 6 Jahren bezüglich dem Thema «digitales Zeitalter, digitales Lernen» realisieren? Bei der digitalen Transformation sehe ich die Herausforderung nicht bei den Technologien, sondern bei der Haltung und der Einstellung der Menschen. Es braucht bei den Ausbildnern und den Trainerinnen und Trainern Verständnis und Zeit, um auf neue Lehr- und Lernformen umzustellen. Ich glaube, wir sind daran, die Sensibilität für neue Unterrichtsformen zu entwickeln. Die Corona-Pandemie hat dabei sicherlich einen Extra-Boost gegeben.

Gruppenbild
Mark Wolf in einem Assessment für den Berufstrainerlehrgang

Dein Team hat im Rahmen der Vision der TBS einen Lego Campus entwickelt. Könntest du deinen Campus fotografisch und inhaltlich vorstellen: Wir versuchen auch die Weiterentwicklung der TBS mit verschieden Methoden anzuregen. Damit erweitern wir gleichzeitig auch unsere Kompetenzen als Ausbildner. Ich möchte hier kein Bauwerk explizit hervorheben. Wie bei all meinen Kolleginnen und Kollegen ging es darum, seine Ideen und Gedanken mittels Bauklötzen darzustellen und danach zu beschreiben. Daher ist mein «Konstrukt» nicht repräsentativ.

Welches sind die Kernbotschaften des Lego Campus? Wir sind nun daran, die verschiedenen Ansichten und Ideen zu konsolidieren und eine gemeinsame Vision daraus abzuleiten. Es kam aber auch deutlich zum Vorschein, dass unsere gemeinsamen Werte: kompetent, engagiert, innovativ, inspirierend auch in Zukunft im Zentrum stehen werden.

In der Strategieausrichtung steht das Jahr 2024 im Zentrum. Welches sind die Leitideen für die Ausrichtung 2024? Wir brauchen nun eine gemeinsame Strategie, damit wir uns im Dschungel der Digitalisierung nicht verlaufen. Sehr vieles ist «nice to have», doch was bringt uns wirklich weiter? Wie wird Ausbildung in Zukunft noch wirkungsvoller? Verändern sich die Anforderungen an den Trainerberuf? Decken wir ihre Bedürfnisse? Viele Fragen, welche wir antizipieren und entsprechende Antworten finden wollen.

Wo steht die Trainerbildung 2024 im internationalen Vergleich? Wir haben uns in den letzten Jahren aufgrund der neuen Ausbildungskonzeption sehr stark auf uns selber fokussieren müssen. Unsere Überlegungen haben dabei verschiedene Ausbildungsinstitutionen inspiriert und diesen Austausch und die Kontakte möchten wir in den nächsten Jahren gerne noch ausbauen.

Rückblick: Wir haben im Jahr 2019 50 Jahre Trainerbildung gefeiert. Wie siehst du im Rückblick dieses halbe Jahrhundert? Es war für mich ein sehr emotionaler Moment. Ich wurde mir einmal mehr bewusst, welches Erbe wir weiterführen dürfen. Als ich mit meinen Vorgängern wie Guido Schilling, Ernst Strähl oder Jean-Pierre Egger auf der Bühne stand, war ich ziemlich nervös, denn es ist eine grosse Ehre, die TBS repräsentieren zu dürfen. Ich werde alles daran setzen, diese Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben.

Ausblick: Mark, wir treffen uns 2030 zum Kaffee im neuen Trainercampus Lärchenplatz. Erzähle uns von deinen Erfahrungen der letzten 10 Jahre? Vermutlich werde ich immer noch keinen Kaffee trinken und mit einer Tee-Tasse «anstossen». Wir schauen auf 10 bewegte Jahre zurück, wir werden über methodische Experimente und innovative Ideen lachen, welche nicht geklappt haben (vermutlich werden wir sagen; «Die Idee war super – die Trainer waren einfach noch nicht breit dazu») und wir werden auch etwas stolz zurückschauen, wie wir das Verständnis von Bildung verändert haben. Longlife-learnning, eine Karriereplanung der Trainerinnen und Trainer und adäquate Anstellungsverhältnisse sind in der Zwischenzeit selbstverständlich. Und natürlich werden wir auch über die «guten alten Zeiten» sinnieren.

Was du noch sagen wolltest: Ich bin sehr dankbar, dass ich mit einem tollen Team die Ausbildung von Trainerinnen und Trainern im Leistungssport weiterentwickeln darf.