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Die Ursprünge der Trainerbildung

 

Mit der Festsetzung des Beginns der «Trainerausbildung Schweiz» rücken die Jahre 1968/69 in den Fokus. Ein Blick in die historischen Quellen zeigt, dass es bereits 1961 gezielte Bildungsangebote für Verbands- und Nationaltrainer gab. Diese Ursprünge sollen im Folgenden beleuchtet werden.

Am Anfang standen Trainer-Fortbildungskurse...

Die Schweizer National- und Verbandstrainer/innen trafen sich Ende Oktober/anfangs November in der eher wettkampflosen Zeit jeweils in Magglingen. Diese Treffen erfreuten sich vor mehr als 57 Jahren grosser Beliebtheit und waren vergleichbar mit der Magglinger Trainertagung, die noch heute jeweils zur gleichen Jahreszeit stattfindet.

Der Vorläufer-Organisation des heutigen Dachverbandes Swiss Olympic, der 1922 gegründete Schweizerische Landesverband für Leibesübungen (SLL), kommt das historische Verdienst zu, nicht erst 1964 erkannt zu haben, dass der Trainerausbildung in der Spitzensportförderung ein grosser Stellenwert zukommt.
Noch bevor das legendäre Innsbrucker Desaster selbst dem Gesamtbundesrat Kummer bereitete, war der privatrechtlich organisierte SLL bereits 1961 auf den Plan getreten und ergriff – in heutiger Manier – eine Trainerbildungs-Initiative. Einen wesentlichen Zusammenhang zwischen Erfolg(en) im Hochleistungs- und Spitzensport einerseits sowie der Ausbildungsqualität der dafür mitverantwortlichen Übungsleiter und Trainer anderseits erkennend, wurden Massnahmen in die Wege geleitet, die aber, wie das Tiroler Sport-Weltereignis von 1964 drastisch vor Augen führte, kein Erfolgsgarant waren.

Zu Beginn der Sechzigerjahre etablierte sich der Spitzensport in der Schweiz vorerst noch behutsam und ohne grosse Unterstützung durch die Politik. Erst der Leidensdruck der Innsbrucker Medaillenlosigkeit war der Auslöser für eine gezielte Förderung des Spitzensports. Dieses Ereignis hat Sportförderer und Parlamentarier wachgerüttelt. So setzten Bemühungen ein, um das Schweizer Leistungssport-Image wieder aufzupolieren.


Erster Trainer-Lehrgang des SLL

Vom 2. bis zum 5. November 1961 fand an der Eidgenössischen Turnschule Magglingen der erste so genannte Trainer-Lehrgang des SLL statt. Verantwortlicher Leiter war der damalige Magglinger Ausbildungs-Chef, Dr. Kaspar WOLF (1920–2007). Was damals «Trainer-Lehrgang» hiess, erfüllt heute die Funktion eines Trainerfortbildungskurses. Bei dieser ersten gesamtschweizerischen Trainerfortbildungs-Tagung, die besonders «die Spitzentrainer der Verbände besser ausbilden» sollte, stand ein fraglos aktuelles Thema im Zentrum: «Das Konditionstraining von Spitzensportlern».


Die Kondition im Zentrum

Die Kondition als wesentliche, messbare Leistungskomponente war seit den Fünfzigerjahren der bevorzugte Forschungsgegenstand. Die Lieblingsfrage der meist medizinisch-naturwissenschaftlich ausgerichteten Trainingsexperten lautete: «Wie kann, speziell in konditioneller Hinsicht, der Leistungsprozess optimiert werden?»

Nicht mehr die Meisterlehren dienten als Orientierungsvorbild, auch wurden nicht mehr ausschliesslich Trainingspläne erfolgreicher Spitzenathleten kopiert und Trainer-Erfahrungen generalisiert, sondern durch trainingswissenschaftlich relevante Untersuchungen gewonnene Erkenntnisse führten zu einer neuen Theorie des Trainings. Es war die Zeit der Erst-Generation von Sportmedizinerinnen und -medizinern, die überzeugt waren, die Praktiker/innen umfassend aufklären zu können, was ein systematisches Training für die Praxis bedeute und wie dieser komplexe Prozess geplant und organisiert werden müsse.


Kraft durch Eisen

Mit ihrem fast ausschliesslich naturwissenschaftlichen Ausbildungshintergrund beschäftigten sich die Trainingstheoretiker/innen vorwiegend mit Fragestellungen zur konditionellen Vorbereitung. Sie reduzierten die Trainingslehre auf eine «Lehre der Konditionsfaktoren». Die neue Botschaft, die einem Paradigmen-Wechsel in der Sporttheorie gleichkam, lautete: «Kraft durch Eisen!» und war ohne Frage eine essenzielle Ergänzung zum damals dominierenden Schwerpunkt «Organtraining», womit das Ausdauertraining gemeint war.

Von nun an prägte das Krafttraining mit Hanteln, besser bekannt als Gewichtstraining, zunehmend die Schwerpunkte der Trainingspläne. Dieser Trend betraf mehr und mehr alle Athlet/innen mit Spitzensport-Ambitionen, nicht nur Leichtathletinnen und Ruderer. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass bis 1965 «Das Konditionstraining von Spitzensportlern» als Leitthema galt.


Der 1. Trainerlehrgang – von der Idee zur Wirklichkeit

Ferdinand R. Imesch (1928–2011), damals Technischer Leiter des Nationalen Komitees für Elitesport (NKES), skizzierte im ehemaligen Fachblatt «SPORT» vom 4. Oktober 1968 die Trainerausbildung als einen wichtigen Schritt beim Aufbau des Schweizer Sportkonzeptes. Es herrschte die Überzeugung vor, dass nicht Berufsathleten, sondern gut ausgebildete Berufstrainer den Schweizer Sport aus dem Wellental führen.
Im Frühjahr 1968 erteilte das NKES Guido Schilling den Auftrag, ein Konzept zur Ausbildung von Schweizer Nationaltrainern auszuarbeiten. Der «Kalte Krieg» griff damals auch auf den Sport über. Osteuropa, insbesondere die DDR, rüstete zum Grossangriff im internationalen Sport. Vielen – auch vielen Schweizern – machten die siegreichen Staatsamateure Eindruck.

Im Frühling 1969 startete in Magglingen der erste Trainerlehrgang, und zwar unter der Leitung von Dr. med. Pavel Schmidt. Er wurde 1960 für die CSSR Olympiasieger im Doppelzweier, hatte ein Arztstudium abgeschlossen und arbeitete auch einige Zeit als Berufstrainer in Mexiko. An den Olympischen Spielen wurden mit Pavel Schmidt erste Kontakte geknüpft, die schliesslich ein Jahr später zu seinem Engagement in Magglingen führten.


Die 17 Teilnehmer des 1. Trainerlehrganges 1969/1970

Marcel Adatte (Kunstturnen, Nachwuchs), Janine Bourgnon (Tennis), Melchior Bürgin (Rudern), Irislav Dolenec (Handball), Georg Grünenfelder (Ski), Jack Günthard (Kunstturnen, Herren), Josef Haas (Ski-Langlauf, Herren), Ludek Martschini (Kunstturnen, Frauen), André Metzener (Wasserspringen), Oscar Plattner (Rad; Herren), Henri Raymond (Schwimmen), Erich Rietmann (Ringen), Armin Scheurer (Leichtathletik, Herren), Bernhard Schneider (Militärischer Mehrkampf), Hans Schweingruber (Ski alpin, Frauen), Robert Vaugenot (Fechten, Herren), Ulrich Wenger (Ski-Langlauf, Herren).

Bei der Anwerbung von Teilnehmenden für den 1. Trainerlehrgang war man darum bemüht, die Spitzentrainer in den Lehrgang zu bringen. Sie sollten für die jüngeren Trainer und vor allem für die Verbände «Signalwirkung» haben. So gelang es, bekannte Trainer – auch ältere – zurück auf die Schulbank zu bringen. Sicher haben die Teilnehmenden des ersten Lehrganges nicht nur vom Unterricht, sondern auch gegenseitig voneinander profitieren können.
Auch die Mischung der Sportarten, der Geschlechter (immerhin war eine Frau dabei!), der Sprachen (deutsch/französisch), des Alters und der Nationalitäten war eine gute Basis für einen regen Gedankenaustausch in Form eines Brainstormings – ein damals in der Managementausbildung viel gebrauchter Begriff.


Fazit
In unschweizerisch kurzer Zeit konnte mit dem Trainerlehrgang NKES eine gut schweizerische Lösung realisiert werden. Der Lehrgang stiess auch im Ausland auf grosse Beachtung. Kernideen der Schweizer Lösung fanden Eingang in ähnlich strukturierte Ausbildungskonzepte wie beispielsweise in Deutschland, England oder auch in Israel.