print preview

Acht Persönlichkeiten


Die Entwicklung der Traineraus- und -weiterbildung wird auch durch die Persönlichkeiten und deren gesellschaftliches Umfeld veranschaulicht, welche die Trainerbildung während den letzten 50 Jahren geprägt haben.

Dr. Pavel Schmidt, 1. Leiter der Trainerbildung Schweiz (1968–1973)

Dr. Pavel Schmidt

Olympiasieger und Arzt Dr. med. Pavel Schmidt (*1930) wurde 1960 für die CSSR Olympiasieger im Rudern (Doppelzweier). Er schloss sein Arztstudium in der ehemaligen CSSR ab und arbeitete einige Zeit als Berufstrainer in Mexiko. Während den Olympischen Spielen 1968 knüpften die Schweizer Sportstrategen mit Schmidt erste Kontakte, die schliesslich zu einer Anstellung an der Sportschule in Magglingen führten. Schmidt übernahm die Leitung der Trainerbildung und führte den 1. Trainerlehrgang 1969–1971. 1974 wechselte er für einige Zeit an das Forschungsinstitut der ESSM. Später kehrte er in seinen eigentlichen Beruf als Psychiater zurück.

Dr. Guido Schilling, 2. Leiter der Trainerbildung Schweiz (1974–1979)

Dr. Guido Schilling

Leichtathlet, Turn- und Sportlehrer, Sportpsychologe Der Basler Guido Schilling (*1939) wird auch heute noch als der eigentliche Macher der Nationaltrainer-Ausbildung bezeichnet, obwohl er nie ein Traineramt innehatte. Während seiner Zeit als Leiter der Trainerbildung war die Trainerfortbildung international hoch angesehen. «Spitzentrainer kann man nur gemeinsam ausbilden» war sein Credo, und dies setzte er als Erster mit der «Überverbandlichen Trainerausbildung» um. Er stand 17 Jahre im Dienste Magglingens, ab 1979 als Vizedirektor der Eidgenössischen Sportschule Magglingen ESSM. Guido Schilling hat grosse Verdienste an der Schweizer Sportwissenschaft und wurde 1999 zum Ehrenmitglied der Trainervereinigung ernannt.

Ernst Strähl, 3. Leiter der Trainerbildung Schweiz (1979–1994)

Dr. Pavel Schmidt

Leichtathlet, Fachleiter J+S, Nationaltrainer, rechte Hand des Sportministers 1979 übernahm Ernst Strähl (*1944) die Leitung der Trainerbildung. Seine Kompetenzen waren umfassend, sei es als langjähriger Nationaltrainer in der Leichtathletik, als Dozent der Trainingslehre und als bewährte universitäre Lehrkraft. «Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun» war das Motto des Turn- und Sportlehrers. Er setzte dies während seiner 15-jährigen Leitungstätigkeit mit einer hohen Identifikation mit «seinen» Lehrgängen um. Mit seiner Erfahrung als Spitzentrainer an mehreren Olympischen Spielen schuf er Kontinuität, indem er die Trainerbildung an der Praxis ausrichtete: Gleichzeitig widmete er sich der Sportwissenschaft, die für Innovationen in der Ausbildung sorgte. Im Zuge der Umstrukturierung des SWI übernahm Ernst Strähl 1989 als Stellvertretender Leiter neue Führungsaufgaben. 1998 folgte er dem Ruf von Bundesrat Adolf Ogi als Referent und Koordinator für Sportfragen. Dieser Aufgabe blieb er ab 2001 bei Bundesrat Samuel Schmid bis zur Pensionierung 2008 treu.

Jean-Pierre Egger, 4. Leiter der Trainerbildung Schweiz (1994–1998)

Jean-Pierre Egger

Leichtathlet, Olympiaathlet, Nationaltrainer, Pionier des Athletiktrainings Jean Pierre Egger (*1943) war der 3. Leiter in Folge, der seine sportpraktische und pädagogische Sozialisation der Leichtathletik verdankte. Nach den Olympischen Spielen 1980 in Moskau trat er im Alter von 37 Jahren von der Athletenbühne ab. Seinen Übergang zum Trainer bereitete er 1973 mit dem Abschluss der Diplomtrainerausbildung frühzeitig vor (zusammen mit seinem Vorgänger Ernst Strähl). Als perfekter Bilingue führte er die französisch- und deutschsprachige Ausbildung parallel auf internationales Spitzenniveau. Jean-Pierre Egger leitete die Trainerbildung nach dem pädagogischen Credo «des humanistischen Menschenbilds». Mit seiner positiven Lebenseinstellung, der hohen Empathie und seiner Philosophie «the way to excellence» diente er vielen Trainerinnen und Trainern als Vorbild. Auch heute mit 76 Jahren ist Jean Pierre Egger noch als Coach, Referent und Autor tätig.

Heinz Müller, 5. Leiter der Trainerbildung Schweiz (1998–2001)

Heinz Müller

Triathlet, Duathlet, Pädagoge und Psychologe Heinz Müller (*1965) war der jüngste Leiter der Trainerbildung. Der ausgebildete Primarlehrer, studierte Pädagoge und Psychologe arbeitet seit 1996 für die Trainerbildung in Magglingen. Als Leiter der Trainerbildung trug er mit seiner Empathie und seinem Sachverstand zur Professionalisierung des Trainerberufs bei. 2001 initiierte Heinz Müller die Berufsanerkennung für Trainer im Spitzensport durch das Bundesamt für Bildung und Technologie. 2002 fokussierte er sich auf die Trainerweiterbildung. Im Rahmen seiner Ausbildnertätigkeit setzte und setzt er sich bis heute in mehreren Studien mit der Arbeits- und Berufszufriedenheit der Trainerinnen und Trainer und mit deren Kompetenzen auseinander. In diesem Kontext baute Heinz die Trainerberatung auf. Im neuen Ausbildungskonzept der Trainerbildung ab 2018 nimmt er eine zentrale Aufgabe in der Coach-Developer-Qualifizierung ein.

Gaby Madlener, 6. Leiterin der Trainerbildung (2001–2005)

Gaby Madlener

Klettererin, Diplom-Sportwissenschaftlerin, 1. Frau als Chefin Gaby Madlener (*1959) startete ihre Karriere in der Trainerbildung bereits 1992, als sie selbst noch Teilnehmerin des «letzten» Trainerlehrgangs von Ernst Strähl war. Als Mitglied der Ausbildungskommission des damaligen Nationalen Komitees für Elite-Sport NKES blieb sie neben ihrer Funktion als Chefin Leistungssport und Nationaltrainerin Sportklettern der Trainerbildung immer verbunden. 1998 übernahm sie ein Teilpensum als Leiterin der Trainergrundkurse - gemeinsam mit Rolf Altorfer. 2001 wurde sie von Swiss Olympic und dem BASPO zur Leiterin der «Trainerbildung Swiss Olympic» berufen. In den folgenden Jahren wurde die heutige Trainerbildung in enger Zusammenarbeit mit dem Komitee Spitzensport (KOS) von Swiss Olympic, in welchem sie ebenfalls als erste Frau 2003 Mitglied war, in einem intensiven Change Prozess konzeptuell, strukturell und organisational neu aufgebaut. Vor allem die Anerkennung des Trainerberufs durch das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BTT) konnte dank ihrem grossen Engagement innert kürzester Zeit umgesetzt werden. 2006 wechselte sie in die Abteilung Sportpolitik und Sportförderung des BASPO. 2008 verliess sie das BASPO, um sich mit einem Diplomstudium an der Hochschule St. Gallen weiterzubilden.

Dr. Adrian Bürgi, 7. Leiter der Trainerbildung Schweiz (2006–2014)

Dr. Adrian Bürgi

Triathlet, Geograph Adrian Bürgi (*1961) startete 2001 in der Trainerbildung als Lehrgangsleiter im Trainergrundkurs. Er übernahm 2003 den Diplomtrainerlehrgang (DTLG), den er bis 2007 leitete. Der promovierte Geograph, Triathlet, Diplomtrainer, ehemalige J+S-Fachleiter Triathlon und Nationalcoach bei Swiss Triathlon (1994–1999) übernahm Anfang 2006 die Leitung der Trainerbildung. Sein Wirken – der hohe Sachverstand, seine Weitsicht, die Leidenschaft für Strukturen und Wissenschaft – verschaffte dem Trainerberuf neue Beachtung. Adrian Bürgi konsolidierte die Anerkennung des Trainerberufes im Rahmen des damaligen Bundesamts für Berufsbildung und Technologie (BTT, heute SBFI). Die Ausbildung zum «Berufstrainer» und zum «Trainer Spitzensport» wurde auf der Basis von Kompetenzfeldern neu entwickelt und den hohen Anforderungen des Leistungs- und Spitzensportes angepasst. Die Ausbildungsdauer des Berufstrainers und des Trainers Spitzensport wurde erhöht und mit neuen Themen ergänzt. Das Berufsfeld der Trainerausbildung verschob sich in Richtung Profitrainer. Durch die Berufsanerkennung der Trainerinnen und Trainer und die finanzielle Unterstützung durch die J+S Nachwuchsförderung konnten viele Trainerinnen und Trainer vom Amateur- zum Profistatus wechseln. Die Trainerbildung konnte sich in dieser Zeit international vernetzen, sich mit den Ausbildungssystemen anderer Nationen vergleichen und von ihnen lernen. Ende 2013 wechselte Adrian Bürgi innerhalb des BASPO zur Sportpolitik als Verantwortlicher für Sportverbände und Spitzensport.

Mark Wolf, 8. Leiter der Trainerbildung Schweiz (2014–...)

Dr. Pavel Schmidt

Unihockeyaner, Nationaltorhüter, Hochbauzeichner, Sportlehrer und Master Spitzensport Mark Wolf (*1974) übernahm die Trainerbildung 2014. Mit seinem Athletenmotto «Mit harter Arbeit zum Erfolg» begann Mark, die Trainerbildung zu reformieren. Die erfolgreiche Athletenkarriere als Unihockeytorwart, die Tätigkeiten als J+S-Fachleiter und Chef Leistungssport sowie seine persönliche Coachingtätigkeit waren sehr gute Voraussetzungen, den hohen Anforderungen der Trainerausbildung gerecht zu werden. Er setzte sich zum Ziel, die nicht akademisierte Ausbildung ins digitale Zeitalter zu führen. Der Umbau der Trainerbildung begann 2015. Paradigmen des Leistungssports wie Kompetenz, Engagement, Innovation und Inspiration prägten die neue Struktur. Die Entwicklung der Trainerpersönlichkeit ist ein wesentlicher Bestandteil im neu konzipierten Berufstrainerlehrgang (BTL) und dem darauf aufbauenden Diplomtrainerlehrgang (DTL). Neu werden die Aus- und Weiterbildungsangebote modular und interdisziplinär angeboten. Dazu stehen interaktive Lehrinhalte und digitale Selbstlernkurse zur Verfügung. Dies ermöglicht einen individuellen, berufsbegleitendenden Ausbildungsweg. Der Ausbildungsplaner als Einstiegspforte dient allen interessierten Trainerinnen und Trainern als Planungs- und Steuerungsinstrument der Karriere. 2018 wurde die Trainerbildung im Rahmen der Strukturanpassung in ein eigenständiges Ressort der EHSM umgewandelt.