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Digitale Helfer für das Coaching auf Distanz

 

In einigen Sportarten wird das «Distance Coaching» schon länger erfolgreich praktiziert (z.B. Triathlon, Laufen, Radfahren), in anderen Sportarten verlangt die aktuelle Situation einen aprupten Richtungswechsel vom tradtionellen Coaching zum «Distance Coaching». In diesem Artikel zeigen wir einige digitale Helfer auf, die Trainerinnen und Trainner beim «Distance Coaching» unterstützen können.

Für was werden digitale Helfer verwendet?

Bevor die richtigen Helfer ausgesucht werden können, muss sich eine Trainerin oder ein Trainer im Vorfeld Gedanken darüber machen, welchen Zweck ein digitales Tool erfüllen sollte. Welche Funktionen muss die Applikation beinhalten, welche Rahmenbedingungen sind einzuhalten etc.

Mögliche Anforderungen sind:

  • Ich möchte mit meinem Team in Kontakt bleiben.
  • Individuelle, aber auch Gruppenchats müssen möglich sein.
  • Ich möchte den Kontakt innerhalb des Teams stärken.
  • Ich möchte das Team zusammenhalten und stärken.
  • Ich möchte Trainings kommunizieren können.
  • Ich möchte von den Athletinnen und Athleten Feedback zum Training erhalten können.
  • Ich möchte Realtime-Feedback zum Training erhalten

Welche Arten von digitalen Helfern fürs Coaching gibt es?

Sucht man im Netz nach Applikationen fürs Coaching, findet man eine grosse Auswahl. Interessant ist, dass in den letzten Jahren auch mehr und mehr sportartspezifische Trainingsapps erschienen sind. Wir haben uns bei Trainerinnen und Trainern umgehört und hier eine kleine, nicht abschliessende Auswahl, aufgeführt:

Hinweis: Dies ist nur eine Auflistung und keine Bewertung der Tools. Die Trainerbildung Schweiz gibt keine Empfehlung ab, welches Tool verwendet werden soll.
Kommunikationstools Multi-Purpose-Tools Sportspezifische Tools
WhatsApp Google Suite Dartfish
SMS Dropbox Strava
E-Mail Doodle AthleteMonitoring
Telefon Trello TrainingPeaks
Microsoft Teams Hazu MyTeam App
Skype   Total Coaching
Zoom   XPS Sidelinsports
    Polar Flow
    Athlyts

Viele Trainer und Trainerinnen greifen nicht auf ein einziges Tool zurück, sondern verwenden eine Kombination von verschiedenen Werkzeugen. Im letzten Teil dieses Beitrags zeigt Jasmin Schweer, Fussballtrainerin YB Frauen U19, auf, wie sie eine Kombination an frei verfügbaren digitalen Helfer verwendet, um das Training ihrer Manschaft weiterhin zu koordinieren und den Manschaftszusammenhalt zu stärken.

Was muss bei der Auswahl des richtigen digitalen Helfers im Weiteren beachtet werden?

Bevor nun eine der Applikationen aufgrund der funktionalen Anforderungen ausgewählt wird, müssen folgende Kriterien unbedingt berücksichtigt werden:

  1. Datenschutzrichtlinien der Applikation: Viele der Applikationen sind international verfügbar und auch international entwickelt worden, das heisst, sie stehen oftmals nicht unter Schweizer Recht. Das ist grundsätzlich keine schlechte Sache, man muss dies aber unbedingt bei der Wahl der richtigen Applikation berücksichtigen. In anderen Ländern sind die Datenschutzrichtlinien anders und auch die hiesigen Datenschutzrichtlinien sind nicht allen bekannt. Wichtig ist, dass sowohl die Trainerinnen und die Trainer als auch die Athletinnen und Athleten die Implikationen der angewendeten Datenschutzrichtlinien kennen und die Applikation vor diesem Hintergrund richtig anwenden können.

  2. Enabling der Athleten und Athletinnen sowie des Staffs: Viele Athletinnen und Athleten sind Digital Natives. Dies bedeutet aber nicht, dass sie alle digitalen Applikationen einfach anwednen können. Bei der Einführung neuer Prozesse und Tools ist es immer wichtig, dass allen Teilnehmenden die Möglichkeit gegeben wird, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Neben Instruktionen und Video-Tutorials sind Beispiel-Übungen und Learning-by-Doing-Sessions super Einstiegshilfen.

  3. Klare Kommunikation von Erwartungen und Guidelines: Nur weil man jetzt vermehrt über (beispielsweise) Whatsapp kommuniziert, muss es nicht heissen, dass jeder 24h online zur Verfügung stehen muss. Auf Grund der Distanz braucht es teilweise eine detailliertere und klarere Kommunikation von Erwartungen, Vorgaben, Instruktionen, Guidelines etc., als üblich. Es ist nicht mehr so einfach möglich, während Trainings zu improvisieren oder diese kurzfristig umzugestalten. Eine gute und frühzietige Planung und eine klare Kommunikation ist somit umso wichtiger.

  4. Agilität und Fehlertoleranz: In der digitalen Welt ändern sich Dinge innerhalb kürzester Zeit. Der Einsatz von digitalen Helfer fürs Coaching sollte dementsprechend ebenfalls agil verwendet werden. Wichtig ist, dass man die Tools auf die geforderten Anforderungen testet und sie erst danach im Team einsetzt. Funktioniert ein Prozess oder ein Tool nicht wie geplant, dann sollte man nicht zu lange warten, bis man seinen Plan ändert. Es ist ein Trial-and-Error-Prozess und das sollte von Anfang an so auch dem ganzen Team kommuniziert werden. Das heisst nicht, dass man jeden Tag den Prozess oder das Tool ändern soll, aber dass man z.B. nach zwei Wochen von allen Teilnehmenden ein Feedback zur Handhabung anfordern sollte und demensprechende Anpassungen initiiert.

  5. Gratis- vs. Premium-Version von Applikationen: Viele digitale Helfer können gratis verwendet werden, was hilft, sie zu testen. Die Gratis-Versionen reichen teilweise aus, um ein ganzes Team damit zu leiten, teilweise sind sie aber auch ziemlich beschränkt. Gewisse Applikationen machen bei der Privatsphäre bzw. beim Datenschutz einen grösseren Unterschied zwischen Gratis- versus Premium-Version. Deshalb muss bei der Verwendung von Gratis-Versionen auch sicher das Kleingedruckte gelesen werden. Falls man eine Premium-Version (also eine kostenpflichtige Version) verwendet, sollte man das im Vornherein mit dem Verein und dem Team abstimmen, da kein Team-Mitglied auf Grund der Kosten benachteiligt werden sollte.

Fazit

Jede Trainerin und jeder Trainer hat eigene Anforderungen an die digitalen Helfer. Dies führt dazu, dass keine generelle Tool-Empfehlung gegeben werden kann. Neben funktionellen Anforderungen sollte auch der Datenschutz, das Enabling des Teams, die klare Kommunikation bei der Verwendung und die Kosten bei der Auswahl der digitalen Applikationen berücksichtigt werden.

Jasmin Schweer, Trainerin U19-Frauen BSC Young Boys
Jasmin Schweer, Trainerin U19-Frauen BSC Young Boys

Trello als Aufgabenmanagement-Tool: Erfahrungsbericht von Jasmin Schweer, Trainerin U19-Frauen BSC Young Boys

Wenn man seine Spielerinnen nicht mehr jeden Tag sieht, muss eine digitale Kontakt-Strategie gefunden werden. Dies war bei den YB-Frauen U19 ebenfalls der Fall.

Mit unseren Spielerinnen kommunizieren wir als Staff weiterhin regelmässig via Whatsapp. Im Trainerstaff haben wir uns zudem zum Ziel gesetzt, mit jeder unserer 23 Spielerinnen mindestens alle zwei Wochen persönlich das Gespräch via Telefon zu suchen. So erhalten wir ein Gefühl, wie es den Spielerinnen in der auch für sie neuen und ungewohnten Situation geht und welche Bedürfnisse sie haben.

Die momentane Situation hat durchaus auch Vorteile. Es mussten neue Wege und Strategien gesucht werden, wie man Trainingsinhalte sowohl konditioneller wie auch technisch-taktischer Art weiterhin vermitteln kann, damit wir die Ausbildung der Spielerinnen auch während dieser Zeit vorantreiben können. Neben den oben erwähnten gängigen Kommunikationsmittel haben wir uns neu auch auf Trello eingerichtet. Trello bietet uns die Möglichkeit, den Spielerinnen Einzel-, Gruppen- sowie Teamaufgaben zu stellen und fungiert gleichzeitig auch als Austauschplattform.

Trello Team-Board
Abb. Trello Team-Board

Jeden Sonntag erhalten die Spielerinnen das konditionelle Trainingsprogramm der nächsten Woche zum Download. Wir versuchen dabei die idealtypische Woche beizubehalten. Es gibt pro Woche zwei Belastungsspitzen in denen wir versuchen, den normalen Spiel- und Trainingsrhythmus zu simulieren.

Neben dem athletischen Training versuchen wir die Spielerinnen auch im technisch-taktischen Bereich weiter auszubilden. Jede Spielerin trainiert zweimal pro Woche in ihrem selber gewählten technischen Schwerpunkt (Ball-An- und mitnahme, Kopfball, Torschuss etc.).

Zusätzlich haben wir damit begonnen, in Gruppen mittels Videoanalyse auf Dartfish auch taktische Inputs zu geben.

Dem mentalen Aspekt wird mit regelmässigen individuellen Aufgaben zum eigenen Mindset oder zu den Bedürfnissen als Spielerin im Teamsport Rechnung getragen. In den nächsten Wochen werden zudem verschiedene Strategien zu Stressmanagement und Regeneration durch die Spielerinnen erarbeitet.

Mit Hilfe von Trello können wir die Spielerinnen individuell in ihren selber gewählten Schwerpunkten unterstützen. Zudem gibt es uns die Möglichkeit, uns mit jeder Spielerin direkt über ihre Aufgaben mittels Kommentarfunktion auszutauschen. Durch die Einsicht der anderen Spielerinnen in die Aufgaben aller können Ideen und Inputs ausgetauscht werden.

Individuelle Trello Boards der Spielerinnen
Abb. Individuelle Trello Boards der Spielerinnen

Mindestens einmal in der Woche treffen wir uns als gesamtes Team zum gemeinsamen Training auf Zoom. Diese Einheit wird von den Spielerinnen sehr geschätzt. Ebenfalls werden durch die Spielerinnen Teamabende auf Zoom organisiert, wobei der Austausch untereinander im Vordergrund steht.

Jasmin Schweer, Trainerin U19-Frauen BSC Young Boys

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